Autor: Joseph Nassise
Titel: Die Hunt-Chroniken – Der Schattenseher
Verlag: Pan
Seitenanzahl: 352
ISBN-13: 978-3-426-28304-2
Preis: 9,95 €
Erster Satz
Ich habe mein Augenlicht gegeben, um die Wahrheit sehen zu können.
Kurze Inhaltsangabe
Jeremiah Hunt ist blind und auch wieder nicht. Bei einem geheimnisvollen Ritual hat er sein Augenlicht geopfert und dadurch eine geheimnisvolle Gabe erhalten. Nun kann er die Geister der Toten sehen, die sich noch nicht von der Welt der Lebenden trennen können. Hunt hofft mit dieser Gabe seine Tochter Elisabeth zu finden, die vor Jahren spurlos verschwand. Bis heute hat er nicht aufgehört sie zu suchen, doch bisher gibt es keinerlei Spuren von Beth. Um weiter nach seiner Tochter suchen zu können, hilft Hunt ab und zu der Polizei bei ihren Ermittlungen. Als er schließlich an einen Tatort gerufen wird, merkt er, dass hinter der grauenvollen Tat ein großes und gefährliches Wesen steckt. Aber nicht nur das, er findet dort auch einen kleinen Anhänger. Einen Anhänger, der damals an dem Bettelarmband seiner Tochter Elisabeth hing. In welchem Zusammenhang stehen die rätselhaften Mordfälle und das Verschwinden von Beth? Wird Jeremiah Hunt nun endlich seine Tochter wiederfinden oder begibt er sich in große Gefahr, wenn er weiterhin nach seiner Tochter sucht?
Eigene Meinung
Als ich das Cover des Buches zum ersten Mal sah, ist mir sofort der Untertitel „Ein magischer Thriller“ aufgefallen. Ein magischer Thriller? Ich konnte mir erst einmal nichts darunter vorstellen. Nach dem Lesen kann ich nun aber sagen: Der Ausdruck passt wirklich gut zu dem Buch!
Der Roman ist jedoch auf jeden Fall in das Fantasy-Genre einzuordnen. Im Vordergrund steht Jeremiah Hunt, der die Geister der Toten sehen kann. Geister tauchen in diesem Buch immer wieder auf und nehmen einen großen Teil der Handlung ein. Man muss sich von vorneherein darauf einstellen, dass der Inhalt des Buches sehr fantastisch ist. Für mich als absoluten Fantasy-Fan sind Geister eine gelungene Ablenkungen von den vielen Vampir-, Werwolf- und Engelsromanen, die es im Moment auf dem Buchmarkt gibt. Geister strahlen etwas Mysteriöses und Unerklärliches aus und das spürt der Leser in diesem Buch. Nicht nur einmal lief es mir bei den Beschreibungen kalt den Rücken hinunter. Auch ist es sehr interessant zu erfahren, wie der Autor das Sehen der Geister der Toten durch Hunts Augen beschreibt. Geister sehen und fühlen nicht dasselbe wie Menschen und Joseph Nassise hat seine ganz eigene Vorstellung wie Geister „sehen“. Die Umsetzung seiner Vorstellung hat mir außerordentlich gut gefallen.
Das Buch ist in kurze Kapitel untergliedert, die sich in zwei Zeiten, nämlich in das „Heute“ und das „Damals“ unterscheiden. Der Schreibstil von Joseph Nassise ist einfach gehalten, was für mich ein Indiz dafür ist, dass sich das Buch auch gut für jüngere Leser eignet, obwohl es sich ebenfalls um einen Thriller handelt. Die Sprache ist locker, so dass sich das Buch relativ schnell durchlesen lässt. Was mir außerdem sehr gefallen hat, ist die gute Umsetzung der Verbindung von Fantasyroman und Thriller. Die Elemente, die charakteristisch für das jeweilige Genre sind, werden hier wunderbar miteinander verknüpft, so dass die Übergänge wirklich fließend sind. Deshalb finde ich den oben genannten Untertitel sehr passend.
Jeremiah Hunt ist der Hauptcharakter in diesem Buch. Ihn lernt man wohl am intensivsten kennen, denn die meiste Zeit steht er im Vordergrund. Hunt ist ein Charakter, den man erst kennenlernen muss, damit man ihn versteht und mögen kann. Anfangs wirkt er auf den Leser grimmig und düster, doch mit dem Verlauf der Geschichte erfährt man einiges über ihn, was den Leser verstehen lässt, warum Hunt so ist wie er ist. In den Rückblenden erfährt man alles über seinen bisherigen, doch sehr dramatischen und schwierigen Lebensweg. Der Leser fühlt sich schon nach kurzer Zeit mit Jeremiah Hunt verbunden und möchte ihm helfen seine Tochter zu finden. Für mich war es nachvollziehbar, warum Hunt so an der Suche nach seiner Tochter festgehalten hat. Manche würden ihn als verbissen bezeichnen, aber durch die Geschehnisse und auf welche Art und Weise Elisabeth verschwunden ist, war sein Handeln für mich verständlich.
Doch Jeremiah Hunt ist in diesem Buch nicht der einzigste Protagonist. Während des Verlaufs werden zwei Menschen wichtig für ihn. Bisher war Hunt ein absoluter Einzelgänger, der als einziger noch nach seiner Tochter sucht. Der Leser kann die Entwicklung von Hunt sehr schön mitverfolgen, denn langsam öffnet sich Hunt und vertraut anderen. Am Ende des Buches wird dem Leser klar, dass Hunt ohne diese beiden Freunde niemals so weit gekommen wäre. Auch eine kleine Romanze bahnt sich im Verlauf der Handlung an, diese wird aber nicht weiter ausgeführt.
Am Schluss kommt es dann zum Showdown, auf den man die ganze Zeit hingefiebert hat. Der Leser hofft, nun endlich zu erfahren, was mit Hunts Tochter geschehen ist, doch es bleiben weiterhin viele Fragen offen. Ich hätte mir ein bisschen mehr beantwortete Fragen am Schluss gewünscht, aber glücklicherweise wird es einen zweiten Band geben. Auch das letzte Kapitel zeigt das sehr schön, denn es ist quasi schon der Beginn des zweiten Teiles dieser Buchreihe. Dieser zweite Band erscheint am 6. Februar 2012 unter dem Titel „Die Hunt-Chroniken – Geraubte Seelen“ im Knaur Taschenbuch Verlag! Für mich ist jetzt schon klar, dass ich den zweiten Teil auch lesen werde, denn ich will unbedingt wissen, wie es mit Jeremiah Hunt weitergeht. Schade, dass es noch ein ganzes Jahr dauert, aber es lohnt sich sicherlich zu warten.
Fazit
Ein thrilliger Fantasyroman, bei dem sowohl Fans von Fantasy-Büchern, als auch von Thrillern auf ihre Kosten kommen werden. Das Buch ist locker leicht geschrieben und liest sich sehr schnell durch. Dabei fehlt es nicht an Spannung und man gruselt sich nicht nur einmal. Ich empfehle das Buch jedem, der zwischendurch etwas Spannendes, aber auch Magisches lesen möchte.
Bewertung