Autorin: Nicole Joens
Titel: Maria sucht Josef
Verlag: Piper Taschenbuch
Seitenanzahl: 352
ISBN-13: 978-3-492-25958-3
Preis: 8,95 €
Erster Satz
>>Schau, dass’d weiterkummst, fette Urschel!<<
Kurze Inhaltsangabe
Miriam steht hochschwanger ohne Geld und Job mit den zwei Kindern ihrer verstorbenen Schwester an Weihnachten auf der Straße und weiß nicht was sie tun soll. Sie ist verzweifelt, denn sie muss unbedingt zu einer Hebamme, von der sie weiß, dass sie ihre Patientinnen auch ohne Geld behandelt. Doch wer würde sie umsonst dort hinfahren? Da taucht ein Oldtimer-Taxi auf, aus dem laute Country-Musik tönt. Miriam ergreift die Chance und begibt sich mit den beiden Kindern Bene und Anna-Sophie in das Taxi. Joe, der wie ein waschechter Cowboy aussieht, ist zuerst nicht begeistert eine hochschwangere Frau und zwei Kindern in seinem Taxi herumchauffieren zu müssen. Dabei weiß er noch nicht einmal, dass Miriam ihn nicht bezahlen kann. Diese ist jetzt aber vorerst froh in dem warmen Taxi zu sitzen und zu der Hebamme zu kommen. Wie wird Joe die Nachricht aufnehmen, dass Miriam kein Geld hat? Wird er der kleinen Familie helfen oder sie an der nächsten Straßenecke aus dem Taxi werfen?
Eigene Meinung
Wenn man nach dem Cover geht, stellt man sich wohl zuerst auf einen leichten Liebesroman ein, dessen Happy End man schon nach der Hälfe des Buches voraussehen kann. Doch Maria sucht Josef ist überhaupt nicht so. Der erste Roman von Nicole Joens ist keine einfache Liebeskomödie, denn die Geschichte ist so tiefgehend und berührend, dass der Leser dies bereits nach einigen Seiten merkt.
Der Anfang dieser Geschichte ist wirklich brutal. Miriam steht hochschwanger ohne Geld und Job und mit zwei Kindern im bitterkalten Winter auf der Straße und es scheint keinen Ausweg für die Dreieinhalb zu geben. Ein unglaubliches Gefühl der Hilflosigkeit überkommt den Leser beim Lesen der ersten Seiten. Es hat mich sprachlos gemacht wie die Menschen zur Weihnachtszeit, in der man eigentlich gütig und hilfsbereit sein sollte, mit ihren Mitmenschen umgehen. Doch so ist unsere heutige Gesellschaft, immer spielt das Geld eine Rolle und jeder ist auf sein eigenes Wohl bedacht. Der Leser selbst leidet mit Miriam, deren Schicksal durch sehr traurige Umstände entstanden ist und wünscht sich nur das Beste für die kleine Familie.
Die Charaktere sind wirklich tiefgründig und unterschiedlich. Deren Verhalten ist den Situationen angepasst und nicht unbegründet. So nagen an Miriam, die einfach keinen Ausweg für sich und die Kinder sieht, Selbstzweifel, ob sie das Richtige tut, wenn sie die Kinder behalten will, aber kein Geld und Job besitzt. Trotzdessen ist sie eine Kämpferin, denn sie gibt nicht auf, wenn sie dafür auch lügen und gegen das Gesetz verstoßen muss. Joe dagegen ist ein einsamer Cowboy, der eine schlimme Vergangenheit hat, die ihn noch immer schmerzt und auf sein heutiges Leben wirkt. Jeder der Protagonisten hat eine eigene Sichtweise auf die Dinge und der Leser erfährt von jedem einmal wie er die Situation sieht. Die einzelnen Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen, weil man sie so gut kennengelernt hat. Besonders schön ist auch, dass die Kinder sich wie Kinder verhalten. Da gibt es Streit zwischen den beiden, weil das kleine Mädchen wegen einer verlorenen Puppe weint und in einer anderen Situation möchte der große Bruder seine kleine Schwester wieder beschützen.
Was mich anfangs etwas gestört hat, war der bayrische Dialekt, der hauptsächlich von Joe gesprochen wird. Doch nach einiger Zeit ist mir das gar nicht mehr aufgefallen. Für mich gehört das nun einfach zu Joe dazu und spiegelt seinen Herkunftsort wider.
Die Beziehung von Miriam und Joe entfaltet sich langsam, obwohl Miriam schon früh merkt, dass sie etwas an Joe anzieht. Und das ist sicherlich nicht nur sein männlicher Geruch, sondern auch sein gutes Herz. Joe tritt in dieser Geschichte als Retter in größter Not auf. Der Leser weiß, dass wenn Joe der kleinen Familie nicht hilft, es keine Chance mehr für Miriam und die Kinder auf eine gemeinsame Zukunft gibt. Joe erscheint als ehrlicher und herzensguter Mann und weckt in jedem weiblichen Leser den Drang selbst so einen tollen Mann zu finden. Man fragt sich aber auch, wo diese Männer in unserer heutigen Zeit sind?
Das Ende des Buches hat mich zu Tränen gerührt und mitfiebern lassen, denn es wurde richtig dramatisch. Die Achterbahnfahrt der Gefühle der Protagonisten war hier wohl am stärksten, obwohl es auch sonst oft ein Auf und Ab der Gefühle gab. Bis zum Schluss konnte ich nicht sagen, ob das Buch gut oder schlecht ausgeht. Das Ende ist dann eher offen und trotzdem schließt man das Buch mit einem guten Gefühl. Ich habe es danach noch eine Weile in den Händen gehalten und über die Geschichte nachgedacht, die mir doch sehr nahe gegangen ist.
Fazit
Maria sucht Josef ist ein Roman, der mich sehr berührt hat. Es ist eine ganz außergewöhnliche Geschichte über Hoffnungen, Träume, die wahre Liebe und den Glauben an etwas Größeres, die einem das Herz erwärmt und darüber nachdenken lässt, wie gut es einem selbst doch geht. Dieses Buch kann ich nicht nur im Winter empfehlen, sondern zu jeder Jahreszeit, denn die wunderbare Liebesgeschichte steht hier im Vordergrund! Also, lasst euch, wenn ihr im Buchladen steht, nicht von diesem winterlichen Cover abschrecken.
Bewertung
Ich bedanke mich recht herzlich bei

für das Rezensionsexemplar!