Dienstag, 1. Februar 2011

[Rezension] Der Augensammler von Sebastian Fitzek

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Augensammler
Verlag: Droemer
Seitenanzahl: 448
ISBN-13: 978-3-426-19851-3
Preis: 16,95 €


Erster Satz
Es gibt Geschichten, die sind wie tödliche Spiralen und graben sich mit rostigen Widerhaken tiefer und tiefer in das Bewusstsein dessen, der sie sich anhören muss.

Kurze Inhaltsangabe
Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken. Ein grausamer Mörder tötet zuerst die Mutter, entführt dann die Kinder und gibt dem Vater genau 45 Stunden Zeit die Kinder wieder zu finden, bevor sie in ihrem Versteck qualvoll sterben müssen. Bisher konnte keines der Kinder lebend geborgen werden und dazu kommt noch, dass den Kindern jeweils das linke Auge fehlt. Der Journalist Alexander Zorbach wird nicht ganz unfreiwillig in die Suche nach dem Mörder verstrickt. Bisher konnte die Polizei keine Spuren finden, die zu dem Täter führen. Eines Tages meldet sich Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin und gibt an den „Augensammler“ behandelt zu habe. Für Zorbach, der mitten in das Fadenkreuz der Ermittler geraten ist, scheint Alina die letzte Chance zu sein. Doch kann er ihren hellseherischen Fähigkeiten vertrauen? Oder führt sie ihn erst recht auf die falsche Spur?

Eigene Meinung
Zu Anfang fällt dem Leser erst einmal auf, dass das Buch auf Seite 442 beginnt. Das ist von dem Autor so gewollt, denn eine Seite davor findet man dieses wunderschöne Zitat aus einem Lied von The Script:

It’s the end where I begin.
The Script

Anfangs hat mich dieser Umstand etwas verwirrt, denn ich habe nicht verstanden, warum der Anfang des Buches auch das Ende sein sollte. Für mich fing das Buch ganz normal mit der Geschichte an, nur dass die Seitenzahl eben immerzu abnahm. Erst am Schluss wurde mir richtig bewusst, was hinter dieser Idee steckt und die Auflösung war total unerwartet, aber wirklich einfallsreich und überzeugend.

Beim Lesen der ersten Seiten denkt man, dass Alexander Zorbach der Böse in diesem Thriller ist, doch dieses Bild wandelt sich mit abnehmender Seitenzahl. Alexander Zorbach ist ein Charakter, der wegen eines einzigen großen Fehlers sein zukünftiges Leben besiegelt hat. Dieser Fehler hat sein ganzes Leben umgeworfen und aus ihm einen Mann voller Albträume gemacht. Der Leser weiß nicht, ob Alexander Zorbach in der damaligen Situation richtig gehandelt hat, doch er weiß, dass Zorbach an sich ein guter Mensch ist, was sich an der Liebe zu seiner Familie und im Umgang mit Alina Gregoriev widerspiegelt.

Alina Gregoriev hat mich von Anfang an fasziniert, was wohl nicht nur an ihrem Charakter lag, sondern auch daran, wie sie als Blinde die Welt „sieht“. Man merkt, dass Sebastian Fitzek sich sehr gut über das Blindsein informiert hat und sich intensiv damit auseinandergesetzt hat. Er beschreibt, wie Alina sich mit bestimmten Hilfsmitteln im Leben zurechtfindet und schildert ihren dringendsten Wunsch nicht als Behinderte gesehen zu werde, sondern als vollwertiger und normaler Mensch. Wenn man dann noch den abenteuerlustigen und mutigen Charakter von ihr dazu nimmt, ist Alina Gregoriev einer der interessantesten Charaktere dieses Buches.

Was für mich diesen Thriller besonders gemacht hat, war der Hauch des Übernatürlichen. Neben dem Protagonisten Alexander Zorbach spielt die Blinde Alina Gregoriev eine wichtige Rolle in dem Thriller. Sie steht Zorbach von Anfang an zur Seite und versucht ihm mit ihren hellseherischen Fähigkeiten auf die richtige Spur zu bringen. Alexander Zorbach ist anfangs allerdings und auch im weiteren Verlauf des Buches kritisch gegenüber ihren Behauptungen, sie könnte sich durch Berührungen in die Vergangenheit der jeweiligen Personen versetzen. Diese Zweifel und der fehlende Glaube an das Übernatürliche wirken auf den Leser sehr authentisch. Schon nach kurzer Zeit gehören die Visionen von Alina wie von selbst zur Geschichte dazu, denn sie machen den Thriller erst noch viel unvorhersehbarer und spannender.

Besonders gut hat mir auch der Schreibstil von Sebastian Fitzek gefallen. Der Augensammler war mein erstes Buch von diesem Autor und ich muss wirklich sagen, dass ich von Anfang diesen Schreibstil toll gefunden habe. Es ist eine niveauvolle und einfallsreiche Sprache. Die Spannung wird durch kurze Kapitel, die meistens am Ende einen tollen Cliffhanger habe, kontinuierlich gesteigert und der Leser kann deshalb das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen.

Das Ende des Thrillers ist so unglaublich unvorhersehbar und überrumpelt den Leser erst einmal völlig. Man hält einen Moment inne und versucht das Geschriebene zu verdauen. Eigentlich denkt man, dass sich am Schluss alles auflöst und es ein Happy Ende gibt, doch so einfach ist die Situation hier nicht. Der Spruch „Das Ende ist erst der Anfang“ passt hier wohl am ehesten, denn für Alexander Zorbach ist die Geschichte hier noch lange nicht vorbei. Deshalb bin ich umso gespannt wie Sebastian Fitzek in seinem nächsten Thriller an diesen hier anknüpfen möchte.

Zum Schluss möchte ich noch unbedingt auf die Danksagung am Ende des Buches hinweisen. Normalerweise lese ich Danksagungen nicht, doch bei diesem Buch war es anders. Sebastian Fitzek hat sich richtig viel Mühe gemacht und jeden Person und das sogar mit Bild vorgestellt. Auch die blinden Menschen, die ihm geholfen haben, sich in einen Blinden zu versetzen und zu zeigen, wie deren Welt aussieht, werden alle genannt und dafür gibt es von mir einen Daumen nach oben!

Fazit
Sebastian Fitzek hat es geschafft durch einen ungewöhnlichen Aufbau, gut durchdachte und interessante Charaktere und mit einem Hauch von Übernatürlichen einen packenden Thriller zu schreiben. Das Ende ist wohl der absolute Höhepunkt des Buches, der einen nun ungeduldig auf den neuen Thriller des Autors warten lässt. Ich kann nur jedem sagen: Lest dieses Buch, welches den Titel Psychothriller vollkommen verdient hat!

Bewertung

Kommentare:

  1. Hey, toller Blog, gefällt mir wirklich gut! Du scheinst auch gerne Thriller zu lesen :-) Haben wohl denselben Geschmack, bin direkt mal Leserin geworden ;-)

    LG sternschnuppenzauber

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  2. Ach, was ich eigentlich sagen wollte: :-) Der Augensammler liegt auch schon bei mir bereit. Und deine Rezension hat mich nun noch neugieriger gemacht!

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  3. Ich habe das Buch auch gelesen und bin total begeistert von ihm*___*

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  4. @sternschnuppenzauber: Freut mich wirklich sehr, dass dir mein Blog gefällt :). Thriller gehören definitiv zu meinem Lieblingsgenre, da hast du völlig recht. Leider kommen sie bei den ganzen anderen tollen Büchern manchmal etwas zu kurz, aber mit der Thriller Challenge möchte ich das etwas ausgleichen. Viel Spaß beim Lesen vom Augensammler, der Thriller wird dir sicherlich gefallen ;).

    @Charlie Sunrise: Ich kann dir nur zustimmen. Wirklich ein tolles Buch :)!

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  5. Ich habe auch gleich meinen ersten Award an dich weitergereicht, weil mir dein Blog so gut gefällt :-)

    Schaue mal hier:
    http://sternschnuppenzauber.blogspot.com/2011/02/blog-award-versatile-blogger.html

    Liebe Grüße,
    sternschnuppenzauber

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  6. Dein Blog ist sehr informativ. Vorallem wenn man mal einen spannenden Thriller lesen möchte. Ich habe deshalb auch einen Award an dich vergeben. *lach*

    http://nightingale-blog.net/2011/02/03/mein-1-award-the-versatile-blogger-award/

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  7. Vielen Dank, sternschnuppenzauber und Sandy! Ich freue mich wirklich sehr über den Award :).

    Liebe Grüße
    Lena

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